ASG kritisiert Arzttermin-Gesetz

Veröffentlicht am 14.03.2019 in Bundestag

14.03.2019: Ein Mammut-Gesetz erhitzt seit mehreren Wochen die Bundestagsabgeordneten im Gesundheitsausschuss, bringt die Ärzteschaft auf die Barrikaden und sorgt bei vielen Patienten für Unruhe. Es geht um das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das am 14. März vom Bundestag beschlossen wurde. Hinter dem sperrigen Titel verbergen sich tiefgreifende Veränderungen in der ärztlichen Versorgung. Die Thüringer ASG hat in ihrer vergangenen Sitzung über mehrere strittige Punkte diskutiert, die auch für den Freistaat von Belang sind.

So sollen die Terminservicestellen, die schon jetzt in jedem Bundesland von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben werden, künftig noch stärker die Vermittlung von Arztterminen übernehmen als bisher. Klingt zunächst sinnvoll, hat aber auch negative Folgen in der Versorgungsrealität, wie die Diskussion in der ASG zeigte. Denn damit ist ein Aufwuchs an Bürokratie verbunden, aber ob mehr Arzttermine zur Verfügung stehen, ist fraglich. Die bisherige Erfahrung zeigt zudem, dass viele „vermittelte“ Patienten nicht erscheinen. Hinzu kommt, dass in den Terminservicestellen derzeit keine fachliche Bewertung erfolgt, wie dringend der Arztkontakt und welcher Facharzt erforderlich ist.

Die ASG favorisiert daher ein anderes Modell: Der Hausarzt muss zum zentralen Dreh- und Angelpunkt der Versorgung werden. Das Gesundheitssystem ist so spezialisiert und kompliziert geworden, dass viele Ressourcen vergeudet werden, weil Patienten unnötig oder gar doppelt versorgt werden, oder eine Odyssee erleben, bis sie richtig behandelt werden. Dies ließe sich vermeiden, wenn Hausarzt oder Hausärztin ihre Patienten lotsen. Als Ergänzung wäre zu diskutieren, ob eine Terminservice-Stelle diesen Prozess koordinierend unterstützt, indem in der Servicestelle geschulte Ärzte und Fachkräfte eine erste medizinische Einstufung am Telefon vornehmen. Diese sogenannte Triagierung funktioniert bereits in vielen Ländern (etwa der Schweiz) und hilft, dringende Fälle von Routineuntersuchungen herauszufiltern.

Bedenklich ist das TSVG aber auch, weil es massiv in die Freiberuflichkeit der niedergelassenen Ärzte eingreift. Die ASG Thüringen wird die weitere Diskussion und die Umsetzung des TSVG kritisch begleiten. Anregungen und Hinweise sendet bitte über unsere ASG-Homepage (Kontakt):

https://www.asg-thueringen.de/form/234/