Ländergipfel: ASG Thüringen trifft ASG Sachsen

Veröffentlicht am 09.03.2021 in Gesundheit

Thüringen ist (nach Hessen) das Bundesland mit den meisten Nachbar-Bundesländern. Die Gesundheitsversorgung ist jedoch ein gutes Beispiel, dass Landesgrenzen in erster Linie auf dem Papier bestehen - und die Realität oft anders aussieht: Thüringer gehen natürlich auch in benachbarte Kliniken (und anders herum), Fachkräfte pendeln, Medizinstudenten kommen aus ganz Deutschland. Deshalb lohnt sich ein Blick über den Tellerrand, dachten wir uns, und haben uns am 5.3. mit der ASG Sachsen zu einem ersten digitalen Länder-Gipfel getroffen. 

Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 50.000 Patienten in Thüringens Kliniken kommen laut statistischen Landesamt aus anderen Bundesländern, das sind rund 8 Prozent aller Patienten. Das ist auch gut so. Doch die Thüringer Krankenhausplanung und andere gesundheitspolitische Entscheidungen orientieren sich vorrangig an den Landesgrenzen und berücksichtigen die Patientenströme kaum. Es ist deshalb an der Zeit, dass wir vernetzter und überregionaler denken.

Mehrere Trends überlagern sich in der medizinischen Versorgung und sorgen dafür, dass "Nahversorgung" eine andere Bedeutung bekommt. Zum einen ermöglichen Telekonsile und Telemedizin auch den direkten Kontakt zu Spezialisten, egal ob der heimische Rechner in Kranichfeld, Schmölln oder Dermbach steht. Zum anderen entstehen in der zunehmend spezialisierten Medizin immer mehr überregional oder bundesweit ausstrahlende Zentren, für die Patienten bereit sind auch weite Wege zurückzulegen. Diese Perspektive müssen wir auch bei der Weiterentwicklung der Versorgung stärker berücksichtigen.

Noch wichtiger ist jedoch, dass Versorgung zwar noch immer größtenteils regional stattfindet, aber die Herausforderungen der demografischen Entwicklung, des medizinischen und technologischen Wandels in vielen Regionen ähnlich sind. Daher sollten wir uns auch politisch stärker überregional vernetzen und Best Practice und gute Ideen miteinander diskutieren und übernehmen.

Deshalb ist auch der Austausch in der SPD länderübergreifend wichtig - und Motivation für den ersten länderübergreifenden Kontakt der ASG Thüringen mit der ASG Sachsen am 5. März 2021 gewesen. Die sächsische ASG-Landesvorsitzende Simone Lang (MdL) hat sofort ja gesagt, als wir auf sie zugegangen sind. Als erstes Thema haben wir die Krankenhausversorgung diskutiert. Thüringen steht vor dem nächsten Krankenhausplan, der planmäßig 2023 in Kraft treten soll, und die Krankenhausstrukturen bis 2030 definieren wird. Sachsen geht sogar noch einen Schritt weiter und möchte das sächsische Krankenhausgesetz von 1993 überarbeiten. Dafür wurde ein kreativer Ideen- und Workshopprozess vorgeschaltet. Wie soll die Versorgung der nächsten 20, 30 Jahre aussehen? Das sind spannende Fragen, die sich auch Thüringen stellen muss. Klar ist, dass gerade in der Grenzregion zwischen Altenburg bis Greiz viel ländlicher Raum ist und die Versorgung besser aufeinander abgestimmt werden muss.

Ein weiteres Thema war die Pauschale Beihilfe für Beamte, die in Thüringen federführend von der SPD 2020 eingeführt wurde - als zweites Bundesland nach Hamburg haben neu Verbeamtete erstmals eine echte Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Sachsen will diesen Weg nun ebenfalls gehen und verfolgt aufmerksam wie Thüringen diesen Meilenstein umgesetzt hat.

Weitere Treffen und Themen sind bereits verabredet. Wir freuen uns auf den nächsten Austausch!