
Die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokrat:innen im Gesundheitswesen (ASG) Thüringen sieht in der Unterstützung pflegender Angehöriger eine der zentralen sozialpolitischen Aufgaben der kommenden Jahre. Ende April hat der SPD-Landesvorstand ein entsprechendes Positionspapier der ASG Thüringen beschlossen. Darin werden konkrete Vorschläge formuliert, wie Pflege insbesondere in ländlichen Regionen verlässlicher, solidarischer und alltagstauglicher organisiert werden kann.
Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einer stärkeren Unterstützung pflegender Angehöriger. Gerade in Thüringen übernehmen Familien häufig die Hauptverantwortung für die Pflege von Eltern oder Partnern – oftmals unter erheblicher körperlicher, emotionaler und finanzieller Belastung. Die ASG Thüringen fordert deshalb den Aufbau eines unabhängigen Case Managements mit sogenannten „Pflegelotsen 2.0“. Diese sollen Betroffene dauerhaft begleiten, bei organisatorischen Fragen unterstützen und Pflegeangebote koordinieren.
„Pflege darf nicht vom Wohnort oder vom Zufall abhängen. Gerade in ländlichen Regionen brauchen pflegende Angehörige verlässliche Ansprechpartner, die sie konkret unterstützen und entlasten“, erklärt Robert Büssow, Landesvorsitzender der ASG Thüringen. „Mit unabhängigen Pflegelotsen schaffen wir eine Struktur, die Menschen nicht allein lässt, sondern sie aktiv durch den Pflegealltag begleitet.“
Darüber hinaus fordert die ASG Thüringen eine stärkere Verantwortung der Kommunen und Landkreise bei der Pflegeplanung. Auch der Öffentliche Gesundheitsdienst soll künftig stärker eingebunden werden, insbesondere in den Bereichen Prävention, Beratung und Gesundheitsförderung. Pflegestützpunkte sollen weiterentwickelt und in jedem Thüringer Landkreis als verlässliche und moderne Anlaufstellen etabliert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Positionspapiers ist die bessere Vermittlung von Pflegeangeboten. Geplant ist ein digitaler Pflegeplatzfinder, der freie Kapazitäten in der ambulanten und stationären Pflege sowie bei Kurzzeit- und Verhinderungspflege transparent macht. Ziel ist es, Betroffenen und Angehörigen die Suche nach passenden Angeboten deutlich zu erleichtern.
Die ASG Thüringen verbindet ihre Forderungen zugleich mit einem klaren gesellschaftspolitischen Appell. Pflege sei keine rein private Herausforderung, sondern eine gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe. Deshalb brauche es eine solidarische Finanzierung und eine Weiterentwicklung der Pflegeversicherung.
„Pflege ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, betont Robert Büssow, Landesvorsitzender der ASG Thüringen. „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet und Beiträge gezahlt haben, im Pflegefall auf verlässliche Unterstützung vertrauen können.“
Die ASG Thüringen spricht sich deshalb unter anderem für eine Deckelung der Eigenanteile in der Pflege sowie langfristig für eine solidarische Bürger*innenversicherung als Pflegevollversicherung aus.
Mit dem Beschluss des SPD-Landesvorstands sieht die ASG Thüringen Rückenwind für die weitere Debatte über eine gerechte und zukunftsfähige Pflegepolitik. Die Vorschläge sollen nun auch in die bundespolitischen Diskussionen zur Pflegereform eingebracht werden.